Am 23. September 2026 fand im Gasthaus Kreuz in Schongau der Sektionsabend der Sektionen Seetal & Pilatus statt. Rund 40 Teilnehmende informierten sich im Vortrag von Peter Knaus, Geschäftsführer Pro Natura Luzern, über invasive Arten und deren Bedeutung für Natur, Lebensräume und die Jägerschaft. Unter den Interessierten waren von Seiten Lawa Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd & Fischerei sowie Christian Hüsler, Fachbereichsleiter Jagd vertreten.
Gebietsfremd heisst nicht automatisch invasiv Zu Beginn wurden die wichtigsten Begriffe geklärt: Neobiota umfassen gebietsfremde Tiere und Pflanzen, wobei zwischen Neozoen (Tiere) und Neophyten (Pflanzen) unterschieden wird. Nicht jede gebietsfremde Art ist invasiv – erst wenn sie sich stark ausbreitet und Schäden verursacht, spricht man von einer invasiven Art.
Warum das Thema die Jägerschaft betrifft Die Zahl der etablierten gebietsfremden und invasiven Arten nimmt weltweit zu. Globaler Handel, zunehmende Mobilität und wiederholte Einbringungen über verschiedene Wege begünstigen diese Entwicklung. Neue Arten können sich dauerhaft ansiedeln. Frühe Hinweise aus der Praxis verbessern daher die Möglichkeiten, rechtzeitig zu handeln.
Arten im Porträt Peter Knaus stellte in seinem Vortrag verschiedene invasive oder potenziell invasive Arten vor, darunter Waschbär, Nutria und Bisamratte, die auch als Überträger von Krankheiten relevant sein können. Waschbären zählen in der Region bereits zu den meist verbreiteten jagdbaren Neozoen, welche als Kulturfolger Dachs- und Fuchsbauten bewohnen. Das Lawa unterstützt Jägerinnen und Jäger bei der Bejagung dieser Neozoen mit speziellen Fallen und Lockmitteln. Weitere Beispiele waren Nilgans, Rostgans, Wanderratte, Tigermücke, Asiatische Hornisse, Kirschessigfliege und Quaggamuschel sowie Pflanzen wie Einjähriges Berufkraut, Drüsiges Springkraut und Kanadische beziehungsweise spätblühende Goldraute. Im Kanton Luzern können bei den Gemeinden kostenlos Neophytensäcke für die fachgerechte Entsorgung invasiver Problempflanzen bezogen werden.
Gemeinsame Verantwortung Der Umgang mit invasiven Arten erfordert eine gute Zusammenarbeit. Der Kanton koordiniert die Massnahmen und priorisiert diese im Rahmen der kantonalen Neobiota-Strategie. Fachstellen beurteilen Arten und deren Auswirkungen, Gemeinden unterstützen die lokale Umsetzung und Bewirtschaftende pflegen ihre Flächen sachgerecht. Die Jägerschaft trägt mit Beobachtungen und Meldungen wesentlich zur Datenlage sowie zur Früherkennung bei.
Beobachten und melden Jägerinnen und Jäger sind regelmässig im Revier, kennen die Lebensräume und erreichen auch abgelegene Gebiete. Frühe Beobachtungen können daher entscheidend sein. Wichtig ist dabei: Beobachten ist nicht dasselbe wie bekämpfen. Auffällige Arten, neue Vorkommen, starke Zunahmen, Schäden am Lebensraum oder Fortpflanzungsnachweise sollen mit Foto, Datum und möglichst genauem Standort dokumentiert und an die entsprechenden Stellen gemeldet werden: Pflanzen: Meldung über InfoFlora www.infoflora.ch. Wildtiere: Lawa, Fachbereich Jagd und Wildtiere, Koordination Neobiota www.lawa.lu.ch/Natur/neobiota. Asiatische Hornisse: Meldung über www.asiatischehornisse.ch. InfoSpecies: Dach für Flora, Fauna, Pilze, Moose und Flechten www.infospecies.ch. Bei Unsicherheit empfiehlt es sich, zunächst mit dem Lawa oder Pro Natura Kanton Luzern Kontakt aufzunehmen. Fundmeldungen fliessen in die nationalen Datenzentren ein und ergänzen damit die Arbeit der Fachstellen.
Schlussbotschaft Nicht jede gebietsfremde Art ist invasiv, und nicht jede invasive Art ist automatisch ein Jagdthema. Auch eine häufige Art ist nicht zwingend schädlich – entscheidend sind die tatsächlichen Auswirkungen auf Lebensräume, Arten und Nutzung. Um solche Entwicklungen früh zu erkennen, sind genaue Beobachtungen aus der Praxis wertvoll: Sie verbessern die Datenlage und geben den Fachstellen eine bessere Grundlage für Beurteilung und Priorisierung. Dabei gilt: Eine sorgfältig dokumentierte Meldung ist oft wertvoller als eine vorschnelle Massnahme. Da Zuständigkeiten und rechtliche Grundlagen zu beachten sind, bringt die Zusammenarbeit von Jägerschaft, Fachstellen, Gemeinden und Bewirtschaftenden mehr als einzelne Aktionen.
Text und Foto: Marlene Köhle, Aktuarin Sektion Seetal