Die Stiftung Natur und Wild Luzern organisierte in Zusammenarbeit mit Revierjagd Luzern und Wildtier Schweiz einen Kursabend zum Thema „Tierschonende Rehkitzmarkierung“. Rund 30 Jägerinnen und Jäger aus dem Kanton Luzern, die für die Rehkitzmarkierung befugt sind, bildeten sich fort.
Tierschonende Rehkitzmarkierung und Rehkitzrettung ist von grosser Bedeutung. Es schmerzt das Jäger- sowie Landwirtherz, wenn ein Rehkitz für die Futterernte im Sommer sein Leben lassen muss weil es Opfer von der Mähmaschine wird. Deshalb ist es wichtig, dass vor der Mahd die Felder auf Kitze abgesucht werden. Jedes Kitz, das vor dem Mähtod gerettet werden kann, ist ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten. Nachdem das Kitz, meist unter einer Harasse, in Sicherheit gebracht ist, wird es nach den Mäharbeiten wieder freigelassen. Vor dem Freilassen wird das kleine Wildtier fachgerecht, von dafür ausgebildeten Jägern, an den Lauscher (Ohren) markiert und wenn möglich auch gleich die Geschlechtsbestimmung durchgeführt. „Dank dieser freiwilligen Arbeit der Grünröcke verfügt die Schweiz über den wohl längsten Datensatz von Rehen in ganz Europa“, bekräftigte Melitta Maradi, Geschäftsführerin von Wildtier Schweiz. Zusammen mit Tierärztin, Umweltwissenschaftlerin und Stellvertreterin der Geschäftsleitung von Wildtier Schweiz, Ruth Fiechter, und Wildhüter Matthias Müller vermittelten die drei erfahrenen Persönlichkeiten die aktuellen Erkenntnisse zur tierschonenden Rehkitzmarkierung. Sie führten mit einem theoretischen und praktischen Teil durch den Kursabend, welcher am 25. Februar 2026 beim Hirschpark auf dem Littauerberg stattfand.
Zeitgemässes Wildtiermanagement „Mit uns sind Sie auf der richtigen Fährte für ein zeitgemässes Wildtiermanagement“, betonte die Geschäftsführerin von Wildtier Schweiz eingehend des Kurses. Der Verein Wildtier Schweiz setzt sich mit 10 Mitarbeitenden und rund 150 Mitgliedern sowie viel Neugier und Begeisterung für die Schweizer Wildtiere ein. „Wir vermitteln fundiertes Fachwissen über die Schweizer Wildtiere. Wir forschen zusammen mit Praktikern, managen Daten und geben die Erkenntnisse in einer einfachen Sprache weiter“, führte Melitta Maradi weiter aus. Im zweiten Kursteil ging es praxisnah weiter. Ruth Fiechter gab den Anwesenden vorab theoretische Tipps, wie eine Rehkitzmarkierung fachgerecht ausgeführt werden muss. „Eine stressarme Behändigung ist das Wichtigste. Stress für das Rehkitz muss möglichst vermieden werden, was eine gute Planung und Beurteilung voraussetzt“, so Fiechter. Im Anschluss konnten die Kursteilnehmenden gleich selber Hand anlegen und eine Marke an den, extra für den Kurs besorgten, Lauscher anbringen. Zusammenarbeit von Jäger und Landwirt ist entscheidend Es ist unerlässlich, dass Landwirte und Jäger gut untereinander kommunizieren und funktionieren. Die Verantwortung für die Rehkitzrettung liegt primär beim Landwirt (Bewirtschafter), der laut Tierschutzgesetz sicherstellen muss, dass keine Tiere bei der Mahd verletzt werden. Der Jagdausübungsberechtigte (Jäger) hat eine Mitwirkungspflicht, oft durch Suche oder Drohneneinsatz. Jäger sind zuständig für die fachgerechte Rettung und das Aneignungsrecht des Wildes. Sie werden vom Landwirt über die Mahd informiert. Eine enge Zusammenarbeit ist entscheidend, um Tierleid zu verhindern. Rehkitz säugt alle drei bis vier Stunden Das Thema Zeitmanagement spielt bei der Rehkitzrettung und -markierung eine grosse Rolle. Für ein Kitz ist es überlebenswichtig, dass es nach dem Fang früh genug wieder freigelassen wird um beim Muttertier säugen zu können. Ansonsten kann es durch eine zu späte Flüssigkeitsaufnahme zu einer Austrocknung des Körpers kommen und zum Tod führen. Es ist von grosser Bedeutung, dass ein Rehkitz innerhalb von drei bis maximal vier Stunden wieder in die freie Wildbahn eingesetzt wird – das Zeitfenster entscheidet über Leben oder Tod des Kitzlein.