Knapp 30 000 Männer und schätzungsweise 1500 Frauen üben in der Schweiz die Jagd aus. Da die Jagd eine Sache der Kantone ist und da in den Kantonen aus historischen Gründen zwei Jagdsysteme bestehen – Revier- und Patentjagd – war das jagdliche Verbandswesen bis heute stark aufgesplittert. Nach jahrelangen schwierigen Verhandlungen konnte nun JagdSchweiz als starker Dachverband über System- und Sprachgrenzen hinweg aufgestellt werden. Damit sind die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass das jagdliche Verbandswesen stufengerecht funktionieren wird. Sein Fundament sind und bleiben die vitalen kantonalen Jagdverbände, dazu die Fachverbände wie Falkner, Jagdhornbläser, TKJ für das Jagdhundewesen usw. Sie alle nehmen die Interessen der Jäger auf der kantonalen bzw. der fachlichen Ebene wahr. Aber immer mehr Randbedingungen – Stichwort Grossraubtiere, Artenschutz usw, – werden auf eidgenössischer Ebene gesetzt. Deshalb der Dachverband JagdSchweiz als Lobby-Organisation und als nationale Stimme. Was es nicht mehr braucht, sind die nach den Jagdsystemen orientierten Teilverbände. RevierJagd Schweiz ist konsequent und löst sich deshalb heute auf.
Wir sollten diesen Schritt durchaus auch als einen Akt der radikalen Selbstbesinnung und Neuorientierung verstehen. Die Jäger haben nämlich allen Grund dazu.
Erstens: Jagd ist nicht mehr so gesellschaftsfähig wie früher. Die Zeiten sind vorbei, da in guten Zürcher, Berner oder Luzerner Bürgerfamilien der Jagdpass – wie das Offizierspatent und das Zunftwappen – zum selbstverständlichen Lebensgepäck männlicher Nachkommen gehört hat. Wer über die Jagd gesellschaftlichen Mehrwert sucht, ist schon längst in Richtung Golfplatz abgebogen.
Zweitens: In der öffentlichen Wahrnehmung der Schweiz ist die Jagd ein Randgebiet mit exotischen Zügen, aber mit hohem emotionalem Reizwert. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo die Jagd eng mit dem Grundeigentum verbunden ist und etwa die Existenz der Alpwirtschaft sichern hilft, ist die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd in der Schweiz gering. Was hier zu Lande weitgehend fehlt, ist der «klassenkämpferische» Aspekt. Im Patent- wie im Reviersystem ist die Jagd in der Schweiz auch Normalverdienenden zugänglich, weil der Grundbesitz keinen Einfluss auf die Vergabe der Jagdrechte hat.
Über die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zur Jagd gibt es nicht viele gesicherte Daten. Aus einer Umfrage des damaligen BUWAL von 1998 geht hervor, dass die Mehrheit der Schweizer der Jagd mit wohlwollender Gleichgültigkeit gegenüber steht. Für über 60 Prozent der Befragten ist die Jagd so, wie sie heute ist, in Ordnung. Das Grundvertrauen in die Jäger und in die mit ihnen eng verbundene Wildbiologie gründet auf historischen Erfahrungen. Die geglückte Wiederansiedlung des Steinbocks war eine erste grosse Erfolgsgeschichte gewesen. Auch das langfristig angelegte Projekt der Wiederansiedlung des Bartgeiers in den Alpen nähert sich einem guten Ende. An beiden Grossprojekten haben die Jäger massgeblich mitgewirkt.
Damit sind wir bei den Herausforderungen für die Schweizer Jagd im 21. Jahrhundert. Eine der wichtigsten ist der intelligente Umgang mit dem Problem der zurückkehrenden Grossraubtiere. Am Fallbeispiel des Bündner Bären wurde die ganze Widersprüchlichkeit und Emotionalität der öffentlichen Wahrnehmung der Probleme rund um Wildtiere und Jagd sicht- und spürbar. Damit ist auch in Zukunft zu rechnen. Das bestätigt sich auch bei jeder dieser WWF-Umfragen, die regelmässig eine Akzeptanz für Bär, Wolf & Co. von über 80 Prozent behaupten – unter den Leuten jedenfalls, die im Unterland leben und nie riskieren, auf ihrem Hundespaziergang einem solchen Wildtier zu begegnen.